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Gesundheit

Kreuzbandriss OP: Ablauf, Heilungsdauer und Erfolgsaussichten

Gabriel Dabbagh Physiotherapeut
Gabriel Dabbagh
01.10.2024
10 Min Lesezeit
Ein Ärzteteam im Operationssaal, das eine Operation an einem Patienten durchführt, alle tragen chirurgische Kleidung und Gesichtsmasken.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Kreuzbandriss ist eine der häufigsten Verletzungen im Kniegelenk, die oft durch plötzliche Richtungswechsel, Sportunfälle oder Stürze verursacht wird. Die Kreuzbandoperation ist eine übliche und effektive Behandlung, um die Stabilität des Kniegelenks wiederherzustellen und das Risiko von Folgeschäden wie Instabilität oder Knorpelverschleiß zu reduzieren. In der Regel wird eine Kreuzbandnaht oder ein Kreuzbandersatz durchgeführt. Bei der Operation wird das verletzte Band durch körpereigenes Sehnengewebe ersetzt – meist minimal-invasiv. Die Heilungsdauer beträgt durchschnittlich 6 bis 12 Monate und eine konsequente Rehabilitation ist für den Erfolg essenziell. Die Erfolgsaussichten nach einer Kreuzband-OP sind hoch, sodass viele Patienten nach der vollständigen Heilung wieder sportlich aktiv sein können.

Was ist ein Kreuzbandriss und wann ist eine OP notwendig?

Definition und Funktionen des Kreuzbands

Die Kreuzbänder sind zentrale Strukturen des Kniegelenks und sorgen für dessen Stabilität. Es gibt ein vorderes und ein hinteres Kreuzband, die sich in der Mitte des Kniegelenks überkreuzen und eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der Bewegungen von Ober- und Unterschenkel spielen. Gemeinsam mit den Seitenbändern verhindern sie eine übermäßige Bewegung des Unterschenkels nach vorne oder hinten. Diese Bänder sind essenziell für die Stabilität und Beweglichkeit des Kniegelenks.

Ursachen und Symptome eines Kreuzbandrisses

Eine Frau hält sich ihr schmerzendes Knie nach dem Laufen auf einem Waldweg, möglicherweise aufgrund einer Verletzung oder Überlastung

Ein Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) zählt zu den häufigsten Kreuzbandverletzungen und tritt insbesondere bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln oder starker Kniebelastung auf, wie Fußball, Skifahren oder Kontaktsportarten. Bei einem Kreuzbandriss kann das Band durch eine abrupte Drehung oder eine hohe Belastung reißen. Zu den typischen Symptomen zählen ein hörbarer „Knall“, starke Schmerzen und eine unmittelbare Instabilität im Knie. Zudem tritt meist eine schnelle Schwellung aufgrund von Blutungen in das Gelenk auf (Hämarthrose).

Entscheidung für eine OP – Wann ist sie notwendig?

Nicht jeder Kreuzbandriss erfordert sofort eine Operation. Die Entscheidung für eine Kreuzbandoperation hängt von Faktoren wie dem Schweregrad des Risses, der Instabilität des Kniegelenks, dem Aktivitätsniveau und dem Alter des Patienten ab. Für aktive Sportler oder Personen, die einer hohen körperlichen Belastung ausgesetzt sind, ist die OP häufig die bevorzugte Methode, um die volle Funktionalität des Kniegelenks wiederherzustellen. In weniger schweren Fällen kann auch eine konservative Therapie, bestehend aus Physiotherapie und gezieltem Muskelaufbau, eine mögliche Option sein, um die Stabilität des Kniegelenks zu gewährleisten.

Der Ablauf einer Kreuzbandriss-OP

Vorbereitung auf die Operation

Vor einer Kreuzbandoperation steht eine genaue Diagnostik an. Ein Orthopäde oder Kniespezialist untersucht dabei das Kniegelenk und beurteilt den Kreuzbandriss mithilfe von klinischen Tests und bildgebenden Verfahren wie der MRT. Ziel ist es, den Riss und mögliche Begleitverletzungen zu erkennen und das geeignete vorgehen zu planen. Bereits vor der OP kann Physiotherapie sinnvoll sein, um die umliegende Muskulatur zu stärken und die postoperative Heilung zu unterstützen.

Verschiedene OP-Techniken im Überblick

Für die operative Behandlung eines Kreuzbandrisses stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung, die in Abhängigkeit von der Schwere der Verletzung, dem Zustand des Gelenks und der Erfahrung des Chirurgen gewählt werden.

  • Arthroskopische Kreuzbandplastik (Kreuzbandersatz): Diese Technik gilt als der Goldstandard und wird häufig verwendet. Dabei wird das Kniegelenk arthroskopisch operiert, wobei das gerissene Band durch eine körpereigene Sehne – meist aus dem Hamstring oder der Patellasehne – ersetzt wird. Diese Methode ist minimal-invasiv und führt zu einer schnelleren Genesung.
  • Kreuzbandnaht: Bei dieser Methode wird versucht, das gerissene Band zu erhalten und zu nähen. Diese Technik kommt vor allem bei frischen Rissen zum Einsatz, bei denen die Struktur des Kreuzbands erhalten geblieben ist.
  • Offene Kreuzbandplastik: Bei dieser Methode wird ein größerer Hautschnitt vorgenommen, um das Knie zu öffnen. Diese Operation wird seltener angewandt und kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn eine arthroskopische Behandlung nicht möglich ist.
OP-TechnikBeschreibungVorteileNachteile / Risiken
Arthroskopische Kreuzbandplastik (Kreuzbandersatz)Minimal-invasiver Eingriff, bei dem das gerissene Kreuzband durch körpereigene Sehnen ersetzt wird (z. B. Hamstring-, Patellasehne).Schnelle Rehabilitation, geringe Narbenbildung, schonender Eingriff.Risiko einer erneuten Verletzung, leichte Instabilität bei unsachgemäßer Fixation.
KreuzbandnahtDas gerissene Band wird wieder zusammengenäht, um die natürliche Funktion zu erhalten.Erhalt des natürlichen Bandgewebes, vor allem bei frischen Rissen geeignet.Höheres Risiko für erneuten Riss, längere Heilungsdauer bei unzureichender Heilung.
Offene KreuzbandplastikGrößerer Hautschnitt, um das Knie zu öffnen und das Kreuzband zu ersetzen. Wird bei komplizierten Rissen verwendet.Direkte Sicht auf das Gelenk, präzise Fixierung des neuen Kreuzbandes.Längere Heilungsdauer, sichtbare Narben, Risiko von Gelenksteifheit.

Der Operationsablauf Schritt für Schritt

Die eigentliche Kreuzbandoperation dauert in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten. Der Ablauf sieht wie folgt aus:

  1. Anästhesie: Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose oder Regionalanästhesie (Teilnarkose), abhängig von der individuellen Situation des Patienten.
  2. Arthroskopie: Über kleine Schnitte wird eine Arthroskopiekamera in das Knie eingeführt, um das Gelenk zu begutachten. Zusätzlich werden kleine Instrumente verwendet, um die Operation durchzuführen.
  3. Entfernung des gerissenen Kreuzbandes: Zunächst wird das verbliebene Gewebe des gerissenen Kreuzbands entfernt.
  4. Vorbereitung des Transplantats: Das gewählte Sehnengewebe wird so aufbereitet, dass es als Ersatz für das Kreuzband verwendet werden kann.
  5. Fixation des Transplantats: Das Sehnengewebe wird mithilfe spezieller Schrauben oder anderen Fixierungsmethoden am Oberschenkelknochen und am Unterschenkel befestigt.
  6. Abschluss: Nach erfolgreicher Fixierung wird das Gelenk gespült und die Hautschnitte werden vernäht oder geklebt.

Nach der Operation wird das Knie in der Regel mit einer Schiene stabilisiert und der Patient bleibt zur Überwachung für einen kurzen Zeitraum im Krankenhaus.

Ein Patient, der eine Narkosemaske aufgesetzt bekommt, um ihn für eine Operation vorzubereiten, im Krankenhausumfeld.

Heilungsdauer und Rehabilitation nach einer Kreuzbandriss OP

Erste Phase: Akutphase (Wundheilung)

Die Heilung nach einer Kreuzbandoperation ist ein langwieriger Prozess, der in mehreren Phasen abläuft. Bereits direkt nach der Operation steht die Abschwellung und Entlastung des Kniegelenks im Vordergrund. Das Tragen einer speziellen Schiene stabilisiert das Knie und fördert eine kontrollierte Beweglichkeit. In dieser Akutphase sind Kühlung, Hochlagern und Schonung des Gelenks essenziell. Zeitgleich wird mit einem angepassten physiotherapeutischen Programm begonnen, das passive Bewegungen des Knies vorsieht. Die richtige Kombination aus Bewegung und Ruhe ist in dieser Phase entscheidend, um die Heilung optimal zu unterstützen und mögliche Komplikationen wie Gelenksteifigkeit zu vermeiden.

Zweite Phase: Physiotherapie und Mobilisation

Etwa zwei Wochen nach der Kreuzbandriss-OP beginnt die Mobilisationsphase, die oft mehrere Monate dauert. Der Fokus liegt nun auf dem Muskelaufbau, der Wiederherstellung der vollen Beweglichkeit und der Stabilität des Kniegelenks. Durch gezielte physiotherapeutische Übungen wird die Muskulatur um das Knie gestärkt und der Bewegungsradius kontinuierlich erweitert. In dieser Phase ist es entscheidend, die Übungen regelmäßig durchzuführen und die Belastung schrittweise zu steigern. Ziel ist es, die Beweglichkeit des Kniegelenks wiederherzustellen, eine stabile Haltung zu entwickeln und das Risiko weiterer Verletzungen zu minimieren.

Dritte Phase: Belastungssteigerung und sportliche Aktivitäten

Ab etwa dem dritten bis sechsten Monat nach der OP steht die Vorbereitung auf sportliche Aktivitäten und Alltagstätigkeiten im Vordergrund. Die Bewegungsumfänge werden weiter ausgebaut, die Muskulatur wird gestärkt und das Training von Koordination und Propriozeption (Gelenksinn) wird intensiviert. Je nach individueller Heilung und Stabilität des Kniegelenks können ab dem sechsten Monat sportliche Aktivitäten wieder aufgenommen werden. Hierbei sollte jedoch ein gezieltes Aufbautraining erfolgen, um die Belastbarkeit des Knies sukzessive zu steigern. Kontaktsportarten wie Fußball oder Skifahren sollten erst nach Freigabe durch den behandelnden Kniespezialisten ausgeübt werden.

Faktoren, die die Heilungsdauer beeinflussen

Die Dauer der Heilung nach einer Kreuzbandriss-OP hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Art und Schwere der Verletzung: Ein einfacher Riss des Kreuzbandes heilt meist schneller als ein komplexer Riss mit weiteren Schäden, z.B. an Menisken oder Seitenbändern.
  • Individuelles Vorgehen bei der Operation: Je nach OP-Technik, der Fixationsmethode und der Erfahrung des Chirurgen kann die Heilungsdauer variieren.
  • Konsequente Rehabilitation und Training: Ein regelmäßiges Training und die konsequente Teilnahme an physiotherapeutischen Maßnahmen sind essenziell für eine rasche Heilung und die Wiedererlangung der vollen Beweglichkeit.
  • Alter und körperliche Fitness: Jüngere und sportliche Patienten haben meist eine schnellere Heilung und können früher in ihre Alltagsaktivitäten oder Sportarten zurückkehren.
Ein älterer Mann bei der Rehabilitation, der mit Hilfe einer Therapeutin auf einem Laufband mit Gehhilfen geht, um seine Mobilität wiederzuerlangen.

Erfolgsaussichten und Langzeitprognose nach der OP

Statistiken zur Erfolgsrate

Die Erfolgsaussichten nach einer Kreuzbandoperation sind sehr positiv. Untersuchungen belegen, dass etwa 80-90 % der Patienten nach der OP eine stabile Kniegelenksfunktion erreichen. Sportler profitieren besonders von einer erfolgreichen Kreuzbandrekonstruktion, da sie in den meisten Fällen wieder in ihren Sport zurückkehren können. Eine gezielte und konsequente Nachbehandlung ist hierbei jedoch entscheidend. Eine optimale Rehabilitation, die durch professionelle Anleitung erfolgt, fördert die vollständige Heilung des Kreuzbandrisses und minimiert das Risiko eines erneuten Risses..

Potenzielle Komplikationen und Risiken

Trotz der hohen Erfolgsrate birgt eine Kreuzbandriss-OP wie jede Operation Risiken. Dazu zählen Infektionen, Thrombosen, Probleme mit der Fixation des neuen Bandes, Gelenksteifheit und in einigen Fällen eine unzureichende Stabilität des Kniegelenks. Es besteht auch das Risiko, dass das neue Band bei erneuter starker Belastung erneut verletzt wird. Um solche Komplikationen zu vermeiden, ist eine sorgfältige Nachbehandlung und die Einhaltung aller physiotherapeutischen Maßnahmen notwendig.

Rückkehr zum Sport und Alltag

Nach erfolgreicher Heilung und vollständiger Rehabilitation sind die meisten Patienten in der Lage, ihren sportlichen Aktivitäten und dem Alltag wieder problemlos nachzugehen. Eine vollständige Rückkehr in Kontaktsportarten wie Fußball oder Basketball ist in der Regel etwa 9 bis 12 Monate nach der OP möglich. Diese Langzeitprognose ist jedoch individuell verschieden und hängt von der Heilungsrate, der Kreuzbandnaht und dem Verlauf der Rehabilitation ab. Wichtig ist, dass der Sportler ausreichend Zeit für die Heilung und das Muskelaufbautraining einplant, um erneute Verletzungen zu vermeiden.

Konservative Therapie bei einem Kreuzbandriss – Vereinbaren Sie einen Beratungstermin!

Nicht jeder Kreuzbandriss erfordert eine Operation. In unserer Praxis bieten wir individuelle konservative Therapien an, um Ihnen die bestmögliche Behandlung ohne Eingriff zu ermöglichen. Lassen Sie sich von unseren Spezialisten umfassend beraten und finden Sie gemeinsam die passende Therapie für Ihren Fall. Vereinbaren Sie jetzt einen Termin!

Möchten Sie mehr über die Ursachen eines Kreuzbandrisses erfahren? Lesen Sie unseren Beitrag zum Thema: Kreuzbandriss – Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Häufig gestellte Fragen zur Kreuzband-OP (FAQ)

Wie lange dauert die Heilung nach einer Kreuzband-OP?

Die Heilungsdauer nach einer Kreuzband-OP variiert individuell und hängt von Faktoren wie Alter, Schwere der Verletzung und Qualität der Rehabilitation ab. In der Regel beträgt die Heilungszeit etwa 6 bis 12 Monate. Während dieser Zeit durchläuft der Patient mehrere Phasen der Rehabilitation, die von der Schmerzlinderung und Abschwellung bis hin zur vollen Belastbarkeit und Rückkehr in den Sport reichen. Eine konsequente Nachbehandlung ist für den Erfolg der Heilung essenziell.

Wie schnell sollte ein Kreuzbandriss operiert werden?

Die Entscheidung, wann eine Kreuzbandriss-OP durchgeführt werden sollte, hängt von der Verletzung und dem Zustand des Kniegelenks ab. In vielen Fällen wird die OP nicht sofort durchgeführt, um eine optimale Vorbereitung des Kniegelenks zu ermöglichen. Dies kann durch Physiotherapie erreicht werden, die das Knie auf den Eingriff vorbereitet. Bei komplexeren Verletzungen, wie einem zusätzlichen Riss der Menisken oder der Seitenbänder, ist ein zeitnahes Vorgehen ratsam.

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt bei einer Kreuzband-OP?

Der Krankenhausaufenthalt bei einer Kreuzbandoperation ist in der Regel kurz. Da der Eingriff meist arthroskopisch, also minimal-invasiv, erfolgt, können die meisten Patienten bereits ein bis drei Tage nach der Operation nach Hause entlassen werden. In manchen Fällen wird die OP sogar ambulant durchgeführt. Die Nachsorge erfolgt dann im Rahmen der Physiotherapie und weiteren Kontrollterminen.

Wie läuft eine Kreuzband-OP ab?

Eine Kreuzbandoperation wird oft arthroskopisch durchgeführt. Nach einer Anästhesie wird das Knie mithilfe einer Kamera und kleinen Instrumenten operiert. Das gerissene Band wird entfernt, das neue Transplantat – in der Regel körpereigenes Sehnengewebe – vorbereitet und am Oberschenkel und Unterschenkel fixiert. Die OP dauert in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten. Nach dem Eingriff wird das Knie mit einer Schiene stabilisiert, um die Heilung zu unterstützen.

Physiotherapeut Gabriel Dabbagh
Gabriel Dabbagh
Gabriel Dabbagh ist ein staatlich geprüfter Physiotherapeut mit einem nahezu unerschöpflichen Erfahrungsschatz.

Durch seine Tätigkeit bei den Fußballern des VfB Stuttgart und der Stuttgarter Kickers konnte er seine Fähigkeiten auf höchstem Niveau weiterentwickeln.

Seit September 2014 führt er seine eigene Privatpraxis und bietet für jedes körperliche Problem die passende und wohltuende Lösung an.

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